Fit quer Beet: 366 Tage unterwegs, mehrere tausend Kilometer zurückgelegt, 200 Feuerwehren beteiligt
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Eine besondere Aktion zur Gesundheitsförderung in den Freiwilligen Feuerwehren Schleswig-Holsteins ist nach einem Jahr zu Ende gegangen: Der bei „Fit quer Beet“ durchs Land gereichte Rucksack wurde in Flensburg feierlich an den Landesfeuerwehrverband übergeben. Rund 200 Wehren und etwa 1000 Feuerwehrleute beteiligten sich an der Challenge.

Jens-Oliver Moht (HFUK) James (FF-Klues), Stephan Jenke (LFV), Herbert Müller (Ehrenabteilung) und Aaron (FF-Engelsby)
Nach 366 Tagen unterwegs ist der Rucksack der landesweiten Feuerwehr-Aktion „Fit quer Beet“ in Flensburg ins Ziel gekommen. Mit einer Abschlussveranstaltung bei der Feuerwehr Jürgensby fand damit eine besondere Bewegungschallenge ihr Ende, an der sich nach Angaben der Organisatoren rund 200 Freiwillige Feuerwehren aus ganz Schleswig-Holstein beteiligt haben. Etwa 2000 Mitglieder der Wehren waren im Verlauf des Jahres dabei.

Die Idee hinter der Aktion war einfach, aber wirkungsvoll: Ein mit einem Tracker ausgestatteter Rucksack (welchen man über die Website verfolgen konnte) sollte quer durchs Land von Feuerwehr zu Feuerwehr weitergegeben werden – nicht mit dem Auto, sondern ausschließlich mit Muskelkraft. Ob laufend, joggend, wandernd, mit dem Fahrrad oder sogar paddelnd: Erlaubt war, was Bewegung förderte und die Kameradschaft stärkte. Genau das war auch der Kern der Aktion. Es sollte kein Wettbewerb darum sein, wer am schnellsten oder am weitesten kommt. Vielmehr sollte die Herausforderung möglichst viele Feuerwehrleute dazu motivieren, sich zu bewegen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.
Stationen quer durchs Land

Von der Feuerwehr Kappeln wurde der Rucksack an die Flensburger Wehren übergeben - Foto: Jasper Hentschel
Eine Station auf dem Weg nach Flensburg war dabei auch die aus dem Kreis Schleswig-Flensburg stammende Freiwillige Feuerwehr Kappeln. Sie hatte den Rucksack von der Feuerwehr Süderbrarup übernommen und ihn anschließend an die Flensburger Freiwilligen Feuerwehren übergeben. Damit war auch Kappeln Teil jener langen Kette von Wehren, die den Rucksack innerhalb eines Jahres durch Schleswig-Holstein trugen.

Von Süderbrarup ging der Rucksack nach Kappeln - Foto: Jasper Hentschel
Wie groß die Resonanz auf die Aktion war, zeigte sich nach Einschätzung der Verantwortlichen im gesamten Land. Der Rucksack wurde von Feuerwehr zu Feuerwehr weitergereicht und legte auf diese Weise quer durch Schleswig-Holstein seine Strecke zurück. Dass sich am Ende rund 200 Wehren beteiligten, werteten die Organisatoren als deutliches Zeichen dafür, dass die Idee weit über den ursprünglichen Plan hinaus aufging.
Besonderer Zieleinlauf in Flensburg
Zum Abschluss wurde der Rucksack in Flensburg noch einmal auf eine letzte Strecke geschickt. Seit dem Morgen wurde er über den Campus getragen. James von der Freiwilligen Feuerwehr Klues übernahm dabei noch einige Kilometer. Zum Zieleinlauf wurde es dann noch einmal besonders symbolträchtig: Am Hillig-Water-Gang an der Kanzleistraße wurde der 18-jährige James von Aaron von der FF Engelsby in Empfang genommen. Gemeinsam liefen beide anschließend die Schulze-Delitzsch-Straße hinunter zur Wache der Feuerwehr Jürgensby, wo die Abschlussfeier stattfand.

Zusammen gerechnet waren die letzten drei Läufer 112 Jahre alt - Foto: Thomsen
Unterwegs stieß außerdem Herbert Müller aus der Ehrenabteilung dazu. Das Besondere daran: Die drei Teilnehmer vereinten gemeinsam 112 Lebensjahre auf sich – eine Zahl, die bei der Feuerwehr natürlich eine ganz eigene Bedeutung hat. Damit bekam auch der Schlusspunkt der Aktion noch einmal einen symbolischen Charakter: vom jungen Feuerwehrnachwuchs bis zum erfahrenen Mitglied der Ehrenabteilung gemeinsam ins Ziel.
An der Wache wurde der Rucksack schließlich feierlich an Stephan Jenke vom Landesfeuerwehrverband übergeben. Dort wurde auch die Gesamtleistung der Aktion bekanntgegeben. Im Verlauf des Jahres kamen insgesamt 3196 Kilometer zusammen. Jenke machte die Strecke mit einem anschaulichen Vergleich greifbar: Wer von Flensburg aus aufbreche, käme mit dieser Distanz über Hamburg hinaus, an Bremen, Wuppertal, Dortmund und Köln vorbei, weiter Richtung Frankreich, bis in den Raum Lyon und sogar bis nach Barcelona – und noch ein Stück weiter in den Süden Spaniens.
Bewegung statt Wettbewerb
Entstanden war die Aktion „Fit quer Beet“ aus dem Wunsch heraus, das Thema Fitness und Gesundheitsförderung stärker in den Feuerwehralltag zu rücken. Stephan Jenke, Fachleiter für Feuerwehrsport und Fitness im Landesfeuerwehrverband, schilderte, dass die Idee zunächst in kleinem Kreis entwickelt worden sei. Irgendwann sei dann der Gedanke entstanden, einen Rucksack mit Tracker auszustatten und ihn quer durchs Land zu schicken. Daraus entwickelte sich gemeinsam mit der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord ein Konzept, bei dem auch die nötigen Regeln abgestimmt wurden. Wichtig sei dabei gewesen, dass zwar Bewegung gefördert werde, aber keine unnötig gefährlichen Aktionen entstünden.
Unterstützt wurde das Projekt von der HFUK Nord. Jens-Oliver Mohr (Foto links), dort Referent für gesundheitliche Prävention, machte bei der Abschlussveranstaltung deutlich, worauf es den Verantwortlichen ankam: „Fit quer Beet“ sollte bewusst kein Leistungsvergleich sein, sondern ein Mitmachprojekt für alle Altersgruppen. Ob junger Feuerwehrmann oder altgedienter Kamerad – jeder sollte die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Genau deshalb habe die Aktion auch ihren Namen bekommen: quer durch Schleswig-Holstein, quer durch alle Altersklassen und quer durch ganz unterschiedliche sportliche Aktivitäten.

Zum Abschluss wurden die drei letzten Läufer symbolisch von anderen Kamaraden über die Ziellinie mit dem Wagen gezogen
Gerade dieser breite Ansatz sei den Initiatoren wichtig gewesen. Nicht die sportlichste Wehr sollte ausgezeichnet werden, sondern die Beteiligung möglichst vieler Feuerwehren. Eine Wehr, die einfach einen gemeinsamen Wandertag organisiert habe, habe genauso zum Gelingen beigetragen wie Gruppen, die längere Distanzen gelaufen oder geradelt seien. Entscheidend sei gewesen, dass Bewegung in den Feuerwehralltag getragen werde und die Aktion Lust auf weitere gemeinsame Aktivität mache.
Aus kleiner Idee wurde ein landesweites Projekt
Ursprünglich, so berichteten die Organisatoren, war die Aktion für den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. September 2025 geplant. Doch schon bald zeigte sich, dass das Interesse deutlich größer war als zunächst erwartet. Immer mehr Feuerwehren wollten den Rucksack übernehmen und eigene Etappen gestalten. So wurde die Laufzeit verlängert. Im positiven Sinn sei das Projekt regelrecht gewachsen, berichteten die Verantwortlichen. Viele Wehren hätten eigene Ideen entwickelt, sich untereinander abgestimmt und die Challenge mit viel Engagement getragen. Am Ende habe der Rucksack nahezu jeden Landesteil erreicht.

Von Steinbergkirche ging es mit dem Fahrrad weiter nach Flensburg - Foto: Jasper Hentschel
Dass die Aktion eine solche Dynamik entwickelte, war nach Darstellung der Beteiligten anfangs keineswegs selbstverständlich. Gerade weil es ein Projekt in Eigenregie gewesen sei, habe zunächst niemand sicher sagen können, wie stark die Resonanz tatsächlich ausfallen würde. Umso größer sei am Ende die Freude darüber gewesen, dass so viele Feuerwehren die Idee aufgegriffen und auf ihre eigene Weise umgesetzt hätten.
Verlosung zum Abschluss
Dass die Resonanz groß war, zeigte sich nach Einschätzung der Organisatoren nicht nur an der Zahl der Teilnehmer, sondern auch an der Dokumentation der Aktion. In ausgelegten Büchern konnten sich die beteiligten Wehren eintragen. Aus diesen Büchern wurden bei der Abschlussveranstaltung auch die Gewinner einer Verlosung gezogen.
Damit die teilnehmenden Feuerwehren zusätzlich etwas von der Aktion hatten, stellte die HFUK Sportkisten mit verschiedenen Utensilien zur Verfügung. Für die Auslosung wurde kurzerhand der neunjährige Dawid zur Glücksfee ernannt. Er zog drei Feuerwehren aus den Eintragungen.
Besonderen Wert legten die Veranstalter auch auf die symbolische Bedeutung der Aktionsbücher. Darin hinterließen sowohl die frühere Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack als auch ihre Nachfolgerin Grußworte. Auch das unterstrich den landesweiten Charakter der Aktion.
Idee soll weiterleben
Für Stephan Jenke und Jens-Oliver Mohr ist mit dem Abschluss in Flensburg zwar die erste große Reise des Rucksacks beendet. Die Grundidee soll jedoch weiterleben. Schon jetzt gibt es Überlegungen, das Thema Bewegung und Fitness weiter sichtbar zu machen. Im Zusammenhang mit der Interschutz soll der Gedanke sogar über Schleswig-Holstein hinausgetragen werden. Geplant ist nach den bisherigen Angaben, symbolisch an die Aktion anzuknüpfen und das Thema Feuerwehrfitness auch in andere Bundesländer weiterzutragen.
Vor allem aber bleibt nach einem Jahr „Fit quer Beet“ ein deutliches Fazit: Die Aktion hat gezeigt, wie groß der Zusammenhalt in den Freiwilligen Feuerwehren ist – und dass Gesundheitsförderung dort nicht trocken oder belehrend sein muss, sondern gemeinschaftlich, kreativ und mit viel Freude an der Bewegung gelingen kann.