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Nach Fassadenabsturz: Bewohner müssen Häuser in Flensburg verlassen

 |  von Thomsen / Foerde.news

Bei dem Unglück ist zum Glück niemand verletzt worden - Fotos: Thomsen

Flensburg – Mehrere Meter große Fassadenteile haben sich am Dienstagnachmittag, gegen 14:15 Uhr, von einem Mehrfamilienhaus an der Apenrader Straße gelöst und sind auf einen geparkten Ford Focus Kombi gestürzt. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt, Menschen kamen nach Angaben der Berufsfeuerwehr nicht zu Schaden. Vorder- und Hinterhaus wurden geräumt. Auch am Nachbargebäude wurden inzwischen erhebliche Schäden festgestellt.

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Die Berufsfeuerwehr Flensburg war nach Angaben von Einsatzleiter André Beyer, A-Dienst der Berufsfeuerwehr, gegen Mittag zu der abgestürzten Hausfassade alarmiert worden. Vor Ort bestätigte sich die Meldung.

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Nach Angaben Beyers hatten sich Teile des Gesimses eines Mehrfamilienhauses auf einer Länge von etwa vier bis fünf Metern gelöst. Die Bauteile stürzten auf den Gehweg und trafen dort einen geparkten Ford Focus Kombi, der schwer beschädigt wurde.

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Das Auto war dort nur kurzfristig abgestellt worden, um Sperrholz in das Fahrzeug zu laden. Die dabei anwesenden Personen hatten Glück: Als sich die Fassadenteile lösten, befand sich niemand im Fahrzeug. Auch die Personen außerhalb des Wagens wurden nicht von den herabstürzenden Bauteilen getroffen.

„Personenschäden sind glücklicherweise nicht zu vermelden“, sagte Beyer. Weder im Außenbereich noch innerhalb des Gebäudes seien Menschen durch die herabfallenden Teile verletzt worden.

Feuerwehr räumt Vorder- und Hinterhaus

Zum Zeitpunkt des Vorfalls hielten sich nach Angaben des Einsatzleiters Menschen in mehreren Wohnungen auf. Sie blieben unverletzt. Die Feuerwehr räumte anschließend sowohl das Vorderhaus als auch das dazugehörige Hintergebäude.

„Das Gebäude wurde natürlich umgehend geräumt durch die Kollegen“, erklärte Beyer. Aktuell halte sich niemand mehr in den betroffenen Gebäuden auf.

Eine genaue Zahl der betroffenen Bewohner konnte die Feuerwehr zunächst nicht nennen. Nach Angaben Beyers sind jedoch rund 14 Wohneinheiten vom Beschädigten Haus und vom Nachbarhaus kommen sind 6  betroffen. Nicht alle davon sind bewohnt.

Schäden auch am Nachbarhaus entdeckt

Während sich die Einsatzmaßnahmen zunächst auf das unmittelbar betroffene Vorder- und Hinterhaus konzentrierten, stellte ein Statiker im weiteren Verlauf auch Schäden am benachbarten Gebäude fest.

„Jetzt hat der Statiker aber gerade eben im Nachbarhaus auch von außen Beschädigungen feststellen können“, sagte Beyer. Diese Schäden sollten anschließend genauer untersucht werden. Erst danach könne entschieden werden, welche weiteren Maßnahmen notwendig sind.

Das Nachbarhaus weist erhebliche Risse auf und gilt ebenfalls als einsturzgefährdet. Damit richtet sich der Blick der Einsatzkräfte nicht mehr allein auf das Gebäude, von dem die Fassadenteile herabgestürzt sind.

THW überwacht Gebäude mit Lasertechnik

Zur Unterstützung wurde das Technische Hilfswerk hinzugezogen. Nach Angaben Beyers befindet sich unter anderem ein Statiker vor Ort, der das Schadensbild beurteilt. Zusätzlich kamen Spezialkräfte des THW aus Niebüll zum Einsatz.

Diese überwachen das Gebäude mit einem Einsatzstellen-Sicherungssystem. Mithilfe von Lasertechnik können Bewegungen des Bauwerks erkannt werden. Damit soll insbesondere die Sicherheit der Einsatzkräfte gewährleistet werden.

Erik Metzger, Fachberater des THW-Ortsverbandes Flensburg, erläuterte, dass die Messpunkte in kurzen Abständen kontrolliert werden. „Es ist für uns wichtig, dass wir rechtzeitig den Rückzug antreten, falls es sich bewegt“, sagte Metzger. Nach seinen Angaben können mit dem System bereits Veränderungen erkannt werden, bevor diese mit bloßem Auge sichtbar sind.

Die Messpunkte werden derzeit alle fünf Sekunden überprüft.

Gebäude soll mit Streben gesichert werden

Im weiteren Verlauf des Einsatzes sind umfangreiche Sicherungsmaßnahmen geplant. Im dritten Obergeschoss sollen die Außenwände des betroffenen Gebäudes miteinander verbunden werden. Dabei geht es um die Fassadenwand und die rückwärtige Wand zum Innenhof.

„Wir ziehen eine Strebe ein, damit es so gehalten wird“, erklärte Metzger. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Gebäudeteile weiter auseinanderbewegen.

Ziel ist zunächst, einen möglichst sicheren Zustand herzustellen. Anschließend sollen Bewohner nach Möglichkeit noch einmal kurz in ihre Wohnungen gelangen können, um dringend benötigte persönliche Gegenstände zu holen.

„Alles Lebensnotwendige, Medikamente, irgendwelche Unterlagen, das wird möglich sein rauszuholen“, sagte Metzger.

Ob das Gebäude anschließend wieder bewohnt werden kann, ist derzeit offen. Nach der bisherigen Einschätzung müsse allerdings davon ausgegangen werden, dass das hauptsächlich betroffene Gebäude zunächst nicht mehr bewohnbar ist. Ob eine Sanierung möglich ist oder ein Abriss notwendig wird, muss nach weiteren Untersuchungen entschieden werden.

„Wir machen jetzt erst mal nur die Sicherung, dass es nicht umkippt, auf Deutsch gesagt, und dann schauen wir weiter“, sagte Metzger.

Für die Arbeiten werden weitere THW-Kräfte zusammengezogen. Neben dem Fachberater des Ortsverbandes Flensburg wurde ein Zugtrupp alarmiert. Auch die Bergungsgruppe aus Flensburg soll zum Einsatz kommen. Zusätzlich sollen weitere Bergungsgruppen aus umliegenden Ortsverbänden unterstützen.

Beyer: Einsatz in dieser Größenordnung ungewöhnlich

Für die Berufsfeuerwehr ist das Schadensbild nach Angaben des Einsatzleiters nicht alltäglich. Zwar komme es immer wieder zu Einsätzen wegen herabfallender Fassadenteile, die Dimension sei diesmal jedoch eine andere.

„Wir haben des Öfteren Fassadenteile, die abstürzen, meistens einzelne Dachziegel oder einzelne Steine“, sagte Beyer. Dass über mehrere Meter derart große Bauteile abstürzten und dabei mit enormer Kraft auf einen Pkw träfen, habe er selbst in dieser Form noch nicht erlebt.

Beyer ist nach eigenen Angaben seit neun Jahren bei der Berufsfeuerwehr.

Vollsperrung bringt Busverkehr in Schwierigkeiten

Die Apenrader Straße wurde infolge des Einsatzes komplett gesperrt. Nach Angaben Beyers soll die Vollsperrung mindestens so lange aufrechterhalten werden, wie die aktuellen Maßnahmen an den Gebäuden laufen. Wie es anschließend weitergeht und ob möglicherweise ein einseitiger Verkehr eingerichtet werden kann, müsse noch abgestimmt werden.

Die Sperrung sorgt unterdessen für erhebliche Probleme im Busverkehr. Erschwerend kommt hinzu, dass mögliche Ausweichstrecken über Batteriestraße und Hallerstraße aufgrund von Baustellen ebenfalls gesperrt sind. Für die Busse bestehen damit kaum Möglichkeiten, die Einsatzstelle zu umfahren.

Nach Angaben von Aktivbus-Fahrer Manfred Schlotfeldt sind insbesondere die Linien 1 und 7 betroffen. „Aktuell fahren die Linien 1 und 7 nur bis zur Haltestelle oder bis zur Terrassenstraße. Wir drehen aktuell auf dem Betriebshof“, sagte Schlotfeldt.

Für den nördlichen Streckenabschnitt wurde deshalb ein Shuttleverkehr eingerichtet. Dieser verkehrt zwischen der Grenze und dem Harrisleer Kreuz. Damit sollen Fahrgäste trotz der Unterbrechung weiter in Richtung Stadt gelangen können.

Diese Regelung soll nach Angaben Schlotfeldts so lange bestehen bleiben, wie die Vollsperrung der Apenrader Straße erforderlich ist.

Stadt prüft Unterbringung der Bewohner

Ungewiss ist weiterhin, wann und ob die betroffenen Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren können. Vor diesem Hintergrund prüft die Stadt Flensburg derzeit auch, ob Bewohner anderweitig untergebracht werden müssen. Sollte dies erforderlich sein, wird geprüft, ob die Stadt entsprechende Unterkünfte zur Verfügung stellen kann.

Feuerwehr, THW, Statiker und Bauaufsicht setzen unterdessen ihre Untersuchungs- und Sicherungsmaßnahmen vor Ort fort. Insbesondere die Schäden am Nachbargebäude müssen weiter untersucht werden.

Wie lange die Apenrader Straße gesperrt bleibt und wann eine Rückkehr der Bewohner möglich sein könnte, steht derzeit noch nicht fest.