Realitätsnahe Übung nach fiktivem Messerangriff an Grundschule
| von Jasper Hentschel
Fahrdorf – Während der Osterferien herrschte am Mittwochmorgen an der Grundschule in Fahrdorf kein Stillstand, sondern geschäftiges Treiben zahlreicher Einsatzkräfte. Die Polizei probte dort in einer großangelegten Übung die Bewältigung einer sogenannten „qualifizierten Bedrohungslage“, bei der zwei fiktive männliche Täter – ein Vater und sein Bruder – mit Gewalt die Beschulung eines verwiesenen Kindes erzwingen wollten. In dem simulierten Szenario drangen die mit Messern bewaffneten Männer in das Gebäude ein, verletzten drei Personen und nahmen schließlich die Schulleiterin als Geisel im Kellerbereich. Da Spezialeinheiten wie das SEK oft längere Anfahrtszeiten haben, lag der Schwerpunkt des Trainings darauf, den regulären Streifendienst im Umgang mit diesen lebensbedrohlichen Lagen und deren Bearbeitung zu trainieren.
An der Übung waren Beamte aus dem gesamten Bereich des Polizeireviers Schleswig beteiligt, wobei Kräfte aus den Stationen Schleswig, Kropp, Erfde, Silberstedt, Busdorf und Böklund direkt vor Ort trainierten. Damit der tägliche Dienstbetrieb in der Region nicht beeinträchtigt wurde, übernahmen Kollegen aus Flensburg und Husum währenddessen die reguläre Streifentätigkeit. Jan Krüger, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg, hob hervor, dass die Nutzung eines realen Objekts für die Beamten essenziell sei, da das Gebäude für sie weitgehend unbekannt und deutlich komplexer als ein klassisches Trainingszentrum ist. Das Schulgebäude in Fahrdorf gilt aufgrund seiner verwinkelten Struktur und der zwei verschiedenen Zufahrten über den Strandholm und die Dorfstraße als taktisch anspruchsvoll.
Die medizinische Versorgung der Opfer war ein weiterer Bestandteil der Übung. Die Einsatzkräfte stießen im Gebäude auf drei Verletzte, darunter eine Person mit einer schweren Stichwunde im Bauchraum, die eine besondere Herausforderung für die Evakuierung darstellte. Die Betroffenen wurden nach ihrer Rettung an den Rettungsdienst übergeben, der mit der MANV-Einheit aus Busdorf, fünf Fahrzeugen sowie einem Leitenden Notarzt und einem Organisatorischen Leiter vor Ort war. Um die Situation so realistisch wie möglich zu gestalten, waren die Verletzten im Vorfeld professionell geschminkt worden, zudem setzten die Beamten im Gebäude Übungsmunition ein, ohne jedoch tatsächlich Schüsse abzugeben.
Die Auswirkungen auf das Dorf wurden dabei bewusst gering gehalten. Trotz des Einsatzes von über zehn Polizeifahrzeugen blieben die umliegenden Straßen für den Verkehr voll befahrbar, sodass der Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt wurde. Da aktuell Schulferien sind, bestand keine Gefahr für Schüler, während der Betrieb im gegenüberliegenden Kindergarten normal weiterlief. Das Personal und die Kinder dort waren im Vorwege mehrfach über die Übung informiert und für die Geräuschkulisse, wie etwa die Hilfeschreie der Statisten, sensibilisiert worden.
Am Nachmittag setzt die Polizei ihr Training im Amt Haddeby fort. In Busdorf wird ein zweites Szenario im Gebäude der Amtsverwaltung geübt, welches ebenfalls einen Messerangriff und die Rettung von Verletzten zum Thema hat. Die im Rahmen der Übungen gesammelten Erfahrungen werden im Anschluss in einer detaillierten Nachbesprechung aufgearbeitet und sollen in die Einsatzkonzepte der Polizei für ähnliche Bedrohungslagen einfließen.