AfD-Stand und „Hoffnung strahlt hell“: Flensburg erwartet Proteste und Lichtermeer am 24. Januar
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Flensburg bereitet sich auf einen politisch geprägten Samstag vor: Am 24. Januar 2026 sind in der Innenstadt mehrere Veranstaltungen angekündigt, die unterschiedliche Signale setzen. Während die AfD am Vormittag mit einem Stand auf dem Nordermarkt auftreten will, soll am späten Nachmittag auf dem Südermarkt eine Lichterkundgebung für Demokratie, Toleranz und Zusammenhalt stattfinden. Zugleich mobilisiert ein breites Bündnis zu Protesten gegen die AfD-Präsenz.
Nach Angaben der Partei ist der AfD-Stand am Nordermarkt ab 10 bis 13 Uhr geplant. Die AfD spricht davon, wieder stärker öffentlich Präsenz zeigen zu wollen und kündigt an, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen sowie Informationsmaterial zu verteilen. Kreisvorsitzender Martin Neubauer erklärte, man wolle solche Formate künftig häufiger im Kreisgebiet anbieten.
Der angekündigte Auftritt stößt jedoch auf deutlichen Widerspruch: Unter dem Motto „Keine Stadt den Nazis“ wirbt ein gesellschaftliches Bündnis für eine Gegenkundgebung ab 09:30 Uhr am nur wenige Meter enfernten Willy-Brandt-Platz. In dem Aufruf wird die AfD als Teil eines allgemeinen Rechtsrucks bewertet; die Gegenkundgebung versteht sich demnach als klares Zeichen gegen rechte und menschenverachtende Positionen und für eine solidarische, vielfältige Stadtgesellschaft. Zugleich verweisen die Initiatorinnen und Initiatoren darauf, dass die AfD in Flensburg bislang mehrfach daran gescheitert sei, dauerhaft stabile Strukturen aufzubauen – etwa durch einen Stadtverband oder kontinuierliche Wahlkampfaktivitäten. In der Vergangenheit hätten antifaschistische Recherchen und zivilgesellschaftlicher Protest zudem dazu beigetragen, entsprechende Vorhaben öffentlich zu machen.
Getragen werde der Protest am Willy-Brandt-Platz von einem ungewöhnlich breiten Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Klima- und Umweltinitiativen, feministischen Gruppen, antifaschistischen Zusammenschlüssen sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen. Darüber hinaus seien demokratische Initiativen und Parteien mit eigenen Infoständen und Aktionen angekündigt. Ziel sei ein sichtbarer, vielfältiger und friedlicher Protest, der die Stärke der demokratischen Zivilgesellschaft in Flensburg unterstreiche. Die Organisatorinnen und Organisatoren rufen dazu auf, sich zu beteiligen und deutlich zu machen: Flensburg überlasse rechten Akteuren nicht den öffentlichen Raum.
Am Nachmittag verlagert sich der Schwerpunkt auf den Südermarkt. Unter dem Motto „Hoffnung strahlt hell – Kundgebung für Vielfalt und Zusammenhalt“ rufen zahlreiche Vereine, Organisationen und Initiativen von 16.30 bis 18.30 Uhr zu einer friedlichen Versammlung auf. Geplant sind Redebeiträge, Live-Musik, Infostände sowie heißer Apfelsaft gegen Spende. Für Auf- und Abbau sind die Zeiten 15.00 bis 19.30 Uhr vorgesehen.
Die Organisatorinnen und Organisatoren verorten die Kundgebung bewusst in zeitlicher Nähe zum 27. Januar, dem bundesweiten „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, der an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnert. In ihrem Aufruf heißt es, man wolle wenige Tage vor dem Gedenktag gemeinsam ein sichtbares Zeichen setzen – für eine offene Stadtgesellschaft, demokratische Werte und Solidarität. „Nie wieder ist jetzt“, lautet eine zentrale Botschaft.
Unterstützt wird die Aktion nach Veranstalterangaben von mehr als 40 lokalen und regionalen Gruppen – darunter unter anderem Flensbunt/vielfalt.SH, der DGB, die Flüchtlingshilfe Flensburg, die Sinti Union Schleswig-Holstein, die Seebrücke, Greenpeace Flensburg sowie weitere zivilgesellschaftliche Initiativen und Einrichtungen. Die Teilnehmenden sind aufgerufen, Laternen, Kerzen oder Smartphone-Lichter mitzubringen, um gemeinsam ein „Lichtermeer“ zu bilden.
Zum Programm gehören Grußworte und Redebeiträge, unter anderem von Vertreterinnen und Vertretern aus Integrationsarbeit, Kirche und Zivilgesellschaft. Musikalisch angekündigt sind der NorderPopChor unter Leitung von Leon Mancilla sowie die Flensburger Singer-Songwriterin Lavinia Luna. Moderiert werden soll die Kundgebung von Andreas Witolla.
Die Polizei stellt sich nach eigenen Angaben auf einen einsatzreichen Tag ein. Entsprechend werde ein verstärktes Kräfteaufgebot eingesetzt; Laut Pressesprecherin Katharina Petersen von der Polizeidirektion Flensburg sind keine Verkehrseinschränkungen in der Innenstadt geplant. Sollte es doch zu einer nicht Stationären Versammlung kommen, werde dem entsprechend kurzfristig gehandelt.
Damit stehen am 24. Januar in Flensburg sehr unterschiedliche politische Akzente nebeneinander: ein AfD-Stand am Vormittag, angekündigte Gegenproteste – und am Nachmittag ein Lichtermeer, das als Appell für demokratischen Zusammenhalt und gesellschaftliche Vielfalt gedacht ist.