Autofreie Schiffbrücke? Mobilitätsrat in Flensburg lehnt Sperrung mehrheitlich ab

 |  von Thomsen / Foerde.news

Nur 26 Prozent waren für eine Autofreie Schiffbrücke - Archivfoto: Thomsen

Flensburg – Ein aus gelosten Flensburgern zusammengesetzter Mobilitätsrat hat den Kurs der Verkehrswende in der Fördestadt deutlich bestätigt. Vorrang haben aus Sicht des Gremiums ein besserer Nahverkehr, mehr Barrierefreiheit, der Ausbau des Radwegenetzes und Tempo 30 in der Innenstadt. Eine Sperrung der Schiffbrücke für den Durchgangsverkehr fand dagegen keine Mehrheit.

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Flensburg. Der erste Flensburger Bürgerrat zur Mobilität hat ein klares Signal gesetzt: Die Mitglieder sprechen sich mit großer Mehrheit für eine Neuausrichtung des Verkehrs im Sinne der städtischen Strategie „Flensburg 2030+“ aus. Insgesamt erarbeitete das Gremium 29 Empfehlungen, die am 30. Juni veröffentlicht und dem Hauptausschuss der Ratsversammlung als Bürgergutachten überreicht werden sollen.

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Besonders deutlich fiel die Zustimmung bei vier zentralen Themen aus: einem verlässlichen öffentlichen Nahverkehr, mehr Barrierefreiheit, dem Ausbau und der Verbesserung des Radwegenetzes sowie der Einführung von Tempo 30 im Innenstadtbereich. Für die Empfehlungen zum ÖPNV und zur Barrierefreiheit votierten sämtliche Mitglieder des Bürgerrats. Der Ausbau der Radwege erhielt knapp 89 Prozent Zustimmung, Tempo 30 in der Innenstadt rund 70 Prozent.

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70% sind für eine reine 30er-Zone in der Innenstadt - Archivfoto: Thomsen
Auch weitere Vorschläge stießen auf breite Unterstützung. Dazu zählen Maßnahmen zur Entlastung des Verkehrs am Deutschen Haus, eine schnellere Optimierung von Ampelschaltungen, mehr Verkehrssicherheit am ZOB sowie eine Verringerung der Staus an der Hafenspitze.

Nur ein Vorschlag scheiterte klar: Die Empfehlung, die Schiffbrücke für den Durchgangsverkehr zu sperren, fand mit lediglich 26 Prozent Zustimmung keine Mehrheit im Mobilitätsrat.

Zu sämtlichen Empfehlungen formulierte das Gremium zudem Hinweise zur praktischen Umsetzung. Diese werden nun von einer Redaktionsgruppe geprüft. Im nächsten Schritt wollen Politik und Verwaltung jene Vorschläge herausfiltern, die rechtlich und fachlich für einen Bürgerentscheid geeignet sind. Über diese Fragen könnten die wahlberechtigten Flensburger parallel zur Landtagswahl 2027 abstimmen. Die endgültige Entscheidung darüber trifft die Ratsversammlung.

Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer würdigte die Arbeit des Gremiums ausdrücklich. Die Mitglieder des Mobilitätsrats hätten sich in den vergangenen zwei Monaten intensiv mit komplexen Fragen befasst und tragfähige Empfehlungen erarbeitet. Zugleich betonte Geyer, der Bürgerrat habe nicht nur Ergebnisse zur Zukunft der Mobilität vorgelegt, sondern auch gezeigt, wie konstruktiver Dialog in Flensburg gelingen könne. Nun sei es Aufgabe von Politik und Verwaltung, die Vorschläge zu prüfen und daraus abstimmungsfähige Fragestellungen für 2027 zu entwickeln.

Der kombinierte Beteiligungsprozess aus Bürgerrat und Bürgerentscheid gilt als Novum in Schleswig-Holstein. Ziel ist es, die Einwohner stärker in politische Entscheidungen einzubinden und so die Akzeptanz kommunaler Maßnahmen zu erhöhen. Flensburg ist dabei Modellkommune im Projekt „Klima trifft Kommune“ der Vereine Gesellschaft für Klima und Demokratie sowie Mehr Demokratie. Neben Flensburg beteiligen sich auch Pinneberg, Osterburg in Sachsen-Anhalt und Marzahn-Hellersdorf in Berlin an dem Vorhaben. Gefördert wird das Projekt von der Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Postcode Lotterie.

Auch unter den Teilnehmern selbst wurde der Prozess positiv bewertet. Ein Mitglied des Mobilitätsrats zeigte sich nach eigenen Worten überrascht, wie groß die Probleme für Fahrgäste im Busverkehr seien. Als Autofahrer habe ihn der Perspektivwechsel stark beeindruckt. Eine Teilnehmerin hob hervor, dass trotz unterschiedlicher Meinungen tragfähige Kompromisse gefunden worden seien, insbesondere in den Kleingruppen. Eine andere sprach sich dafür aus, das Format künftig auch bei anderen Themen erneut einzusetzen. Ein weiterer Teilnehmer betonte, gerade der Austausch unterschiedlicher Sichtweisen habe die Diskussionen wertvoll gemacht.