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Flensburger Klimakleber in Hamburg verurteilt

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In Flensburg hat sich Lars Schäfer im Februar 2023 an der Schiffbrücke auf die Straße geklebt - Archivfoto: Thomsen

Flensburg - In einer kürzlich in Hamburg stattgefundenen Gerichtsverhandlung stand der Flensburger Lars Schäfer, ein Aktivist der Letzten Generation, im Mittelpunkt des Interesses. Der Fall zog Aufmerksamkeit auf sich, nachdem Schäfer sich bei einer Protestaktion auf der Straße festgeklebt hatte, was zu einem Verkehrsstau von etwa 15 bis 20 Minuten führte. Nach Angaben der Polizei konnte der Stau schnell aufgelöst und der Verkehr umgeleitet werden.

Ein Sprecher der Letzten Generation kritisierte das Vorgehen der Behörden und die nachfolgenden rechtlichen Schritte. "Die friedlich Protestierenden vor den Kipppunkten werden kriminalisiert und mit unverhältnismäßig harten Strafen versehen", beklagte die Pressesprecherin. "Während gewaltsame Übergriffe auf Politiker kaum Konsequenzen nach sich ziehen, sehen sich unsere Mitglieder mit schweren Anschuldigungen konfrontiert."

Der Vorfall, bei dem Schäfer beteiligt war, wurde durch Polizeikameras festgehalten. Aufgrund der Nässe hielt die Klebung nicht, und Schäfer konnte ohne den Einsatz von technischen Hilfsmitteln befreit werden. Allerdings dokumentieren Aufnahmen der Letzten Generation, dass Schäfer während des Einsatzes kurzzeitig das Bewusstsein verlor und unter Anwendung eines Schmerzgriffs von der Straße entfernt wurde.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass das Festkleben auf der Straße als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu werten sei. Dem widersprach der Richter teilweise in seinem Urteil, indem er feststellte, dass Schäfer zwar mit Aceton gelöst wurde, jedoch aufgrund der kurzen Dauer des Lösevorgangs kein Widerstand im Sinne des §113 StGB vorliege. Trotzdem wurde Schäfer zu einer Strafe von 40 Tagessätzen verurteilt, ein Urteil, das bei ihm und seiner Familie für Entsetzen sorgte. "Für einen Stau, der 15 bis 20 Minuten gedauert hat, wurde ich zu 40 Tagessätzen verurteilt", sagte Schäfer.

„Ich bin darauf eingestellt, dass gegen mich wegen des Verdachts der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird. Vermutlich werden unser Telefon abgehört und unsere E-Mails mitgelesen. Wir alle schlafen schlecht, seitdem wir davon erfahren haben. Beim Einschlafen fragen wir uns, ob wir früh morgens von der Polizei geweckt werden, die zur Hausdurchsuchung anrückt. Es macht uns Angst, dass die eigene Wohnung, auch das Kinderzimmer, durchsucht werden könnte. Dass dann Laptops und Handys beschlagnahmt würden.“

Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt, und der Termin für die Berufungsverhandlung steht noch aus. Der Fall Schäfer wirft ein Schlaglicht auf die unterschiedliche Behandlung von Protestierenden im Vergleich zu anderen Formen der öffentlichen Störung und betont die anhaltenden Herausforderungen für Aktivisten, die auf Umwelt- und Klimafragen aufmerksam machen wollen.

Die Letzte Generation sieht sich weiterhin mit rechtlichen Herausforderungen konfrontiert, und die nächsten Gerichtstermine sind bereits angesetzt. Die Gemeinschaft und die Unterstützer der Bewegung rücken zusammen, um sich gegenseitig in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen und weiterhin auf die drängenden Probleme des Klimawandels hinzuweisen.

Lars Schäfer steht im März in Flensburg für einen Protest vom 16. März 2023 vor Gericht.

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