Hochwasserschutz getestet: Nächtliche Sturmflutschutzübung am Hafen

 |  von Thomsen / Foerde.news

Am Donnerstagabend wurde die Straße Norderhofenden für den Individualverkehr nahezu vollständig gesperrt. Lediglich Linienbusse quetschten sich noch durch die teilweise geöffnete Speicherlinie. Kurz darauf rückten mehrere Großfahrzeuge des Technischen Betriebszentrums (TBZ) im Hafenbereich an. Mitgeführt wurden mobile Pumpen, Elemente der neuen Schutzwand sowie weiteres technisches Gerät für die nächtliche Sturmflutschutzübung.

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Mit den neuen Elementen soll so eine Überflutung im Bereich des Hafendamms/ZOB/Rathausstraße der Vergangenheit angehören - Archivfoto: Thomsen

Geübt wurde der Ernstfall: Bei Starkregen oder Hochwasser soll die Hauptverkehrsachse Hafendamm–Rathausstraße möglichst trocken und damit passierbar bleiben. Rund 30 Mitarbeitende des TBZ waren an den Norderhofenden im Einsatz. Im Mittelpunkt stand der Aufbau einer mobilen Schutzwand, die künftig bei drohenden Hochwasserlagen installiert werden soll.

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TBZ-Leiter Heiko Ewen erklärte vor Ort die Grenzen des Systems:
„Wir können bis zu einer gewissen Höhe schützen. Das liegt daran, dass hier der Mühlenstrom quer durchläuft. Den können wir weder absperren noch wegpumpen, weil einfach zu viel Wasser von oben kommt.“ Deshalb sei der Schutz nur bis zu einem bestimmten Pegelstand möglich: „Das ist bei 1,75 Meter über Normalnull. Ein Hochwasser wie vor zwei Jahren mit 2,20 Metern können wir damit nicht abwehren.“

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Statistisch betrachtet sei das System dennoch sinnvoll, so Ewen weiter: „Alle ein bis zwei Jahre kommt es zu Hochwasserereignissen, bei denen wir die Wand aufbauen müssen – und genau diese können wir mit dem System beherrschen.“ Steige der Wasserstand darüber hinaus, laufe das Wasser über Schächte hinter der Barriere wieder aus. Hinzu kämen unbekannte Leitungen und Kanäle im Untergrund, die im Ernstfall für Überraschungen sorgen könnten.

Die Übung war daher bewusst als umfassender Praxistest angelegt. Jens Eggers, Leiter der Entwässerung beim TBZ, erläuterte das Vorgehen: Im Ernstfall teilen sich die Mitarbeitenden in drei Teams auf. Ein Team pumpte Schmutzwasserleitungen leer und baute vor dem Polizeirevier eine Großpumpe am Regenrückhaltebecken auf. Von dort wird das Wasser in den nur wenige Meter weiter verlaufenden, unterirdischen Mühlenstrom gepumpt. Ein zweites Team sperrte am Ramada-Hotel mit Absperrblasen Schmutz- und Regenwasserleitungen ab und pumpte anfallendes Wasser um. Das dritte Team errichtete die mobile Schutzwand, die aus einzelnen Segmenten besteht und an zuvor installierten Ankerpunkten am Bahndamm befestigt wird. Sie erstreckt sich vom Bahndamm bis zum Ramada-Hotel.

Eine besondere Herausforderung stellte die Topografie der Straße Norderhofenden dar. „Die Straße ist nicht eben, sie hat eine Dach- beziehungsweise Trapezform, dazu kommen Bordsteinkanten auf beiden Seiten“, erklärte Eggers. Um die Dichtigkeit der Wand zu gewährleisten, habe man zusätzliche Spezialanfertigungen entwickelt. Ziel sei es, die Wand möglichst „leckarm“ aufzubauen, damit nicht zusätzlich eindringendes Fördewasser abgepumpt werden müsse. Eggers ergänzte jedoch, dass sich das Wasser nicht vollständig abhalten lasse.


Mit Luftsäcken soll die Wasserzufuhr unterirdisch verstopft werden

Die Maßnahmen verfolgen mehrere Ziele: Zum einen soll die Verkehrs- und Einsatzachse Hafendamm–Rathausstraße auch bei Hochwasser nutzbar bleiben. Zum anderen wird das Polizeirevier besser geschützt. Ein weiterer zentraler Punkt ist der Schutz einer Haupt-Schmutzwasserleitung, die unter dem Hafendamm verläuft. „Bei Hochwasser dringt dort immer wieder Salzwasser ein – das ist schlecht für den Klärprozess“, so Eggers.

Während der Übung blieb eine vollständige Sperrung aus organisatorischen Gründen aus. Wegen des Weihnachtsmarktes wurde der Verkehr lediglich über die Speicherlinie umgeleitet. „Im realen Einsatzfall würden wir deutlich großzügiger absperren. Dann würde hier kein Verkehr mehr über die Norderhofenden laufen, sondern über die Rathausstraße umgeleitet werden“, erklärte Eggers.

Neben dem TBZ waren auch Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz und Aktiv-Bus vor Ort. Nach Abschluss der Maßnahme sollen die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet werden. Anschließend wird geprüft, ob und in welchem Umfang eine Ausdehnung der Schutzstrecke, etwa in Richtung Schiffbrücke, möglich ist.