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Lückenschluss über dem Kanal: Mittelteil der neuen Rader Hochbrücke sitzt

 |  von Thomsen / Foerde.news

Über mehrere Stunden bewegte sich das Mittelstück langsam zum Ziel - Fotos: Herbert Schmidtke

Rade – In einer aufwendigen Nachtaktion ist das 1.250 Tonnen schwere Mittelstück der neuen Rader Hochbrücke an seinen vorgesehenen Platz gehoben worden. Kurz vor Abschluss der Arbeiten war noch eine technische Anpassung nötig. Der Nord-Ostsee-Kanal blieb deshalb länger gesperrt als zunächst geplant.

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Ein wichtiger Bauabschnitt an der neuen Rader Hochbrücke ist geschafft. Am Donnerstagmorgen um 9.52 Uhr erreichte das 118 Meter lange Stahlsegment seine endgültige Position zwischen den bereits errichteten Brückenteilen. Damit ist die erste Hälfte des neuen Bauwerks erstmals durchgehend verbunden.

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Ganz ohne Verzögerung verlief der Einhub allerdings nicht. Auf den letzten Zentimetern stoppten die Arbeiter den Vorgang vorsorglich. Auf der Nordseite musste ein Teil des Stahls nachbearbeitet werden, um ausreichend Spielraum für temperaturbedingte Verformungen zu schaffen.

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Stahl verändert bei Wärme seine Ausdehnung. Gerade bei einem Bauteil dieser Größe können dabei mehrere Zentimeter zusammenkommen. Nach Angaben der Projektgesellschaft DEGES war der vorhandene Abstand zwischen den Brückenteilen zu gering, um diese Bewegungen sicher aufzufangen. Deshalb wurde an einer Stelle ein sogenannter Freischnitt vorgenommen.

Die Sperrung des Nord-Ostsee-Kanals musste daraufhin verlängert werden. Seit 10 Uhr ist die Wasserstraße wieder für den Schiffsverkehr freigegeben.

Stahlkoloss schwebt 50 Meter nach oben

Das neue Mittelstück ist 18,8 Meter breit und wiegt rund 1.250 Tonnen. Für den Einbau wurde es an mehreren Stahlseilen, sogenannten Litzen, befestigt und rund 50 Meter in die Höhe gezogen.

Die Arbeiten hatten am Mittwochabend gegen 22.30 Uhr begonnen. Zuvor war das Bauteil auf einem Ponton vom Rendsburger Hafen zur Baustelle gebracht worden. Etwa sechs Kilometer legte das schwimmende Transportgefährt dabei auf dem Kanal zurück.

Nach Mitternacht zogen Schlepper den Ponton unter dem bereits angehobenen Stahlsegment hervor. Zu Beginn mussten die Längen der Litzen noch einmal angepasst werden. Hinzu kamen regelmäßige Kontrollen. Dadurch geriet der Zeitplan nach Angaben der DEGES insgesamt um etwa zwei Stunden ins Hintertreffen.

Größere Schwierigkeiten gab es jedoch nicht. Rund 100 Menschen waren an der Aktion beteiligt. Der Einhub fand bewusst in der Nacht statt, weil die niedrigeren Temperaturen das Arbeiten mit dem großen Stahlbauteil erleichtern.

Verbindung wird nun verschweißt

Mit dem Einheben allein ist der Brückenschluss noch nicht vollständig abgeschlossen. In den kommenden Tagen soll das Mittelstück auf beiden Seiten dauerhaft mit den vorhandenen Brückenteilen verschweißt werden. Mechanisch gesichert ist die Konstruktion bereits.

Für die Verantwortlichen war die Nachtaktion ein besonderer Moment. Projektleiter Martin Steinkühler sprach von einer Arbeit, die bei allen Beteiligten großen Stolz auslöse. Wer an einem solchen Bauwerk mitwirke, schaffe etwas Dauerhaftes und hinterlasse sichtbare Spuren.

Auch Projektleiter Mario Schönherr zeigte sich nach Abschluss des Einhubs erleichtert. Nach der anstrengenden Nacht wollte er nach Möglichkeit zunächst selbst über die neue Verbindung gehen – und anschließend schlafen.

Schiffsverkehr stundenlang unterbrochen

Während der Straßenverkehr auf der alten Rader Hochbrücke durch die Arbeiten nicht beeinträchtigt wurde, musste der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal für rund 16 Stunden ruhen. Für den Transport, die Positionierung des Pontons und den anschließenden Hub war der Raum unter der Brücke vollständig erforderlich.

Zahlreiche Interessierte verfolgten die Aktion im Internet. Einen Livestream der DEGES sahen zeitweise rund 4.000 Menschen.

Bereits am Dienstag war das Brückenteil im Rendsburger Hafen auf den Ponton verladen worden. Zwei 13-achsige Schwertransportfahrzeuge brachten das Stahlsegment auf das schwimmende Arbeitsgerät. Am Mittwochabend wurde der Ponton mit Schleppern an die Einbaustelle manövriert und dort mit Seilen gesichert.

Erste Brückenhälfte soll Ende des Jahres freigegeben werden

Die erste Hälfte der neuen Rader Hochbrücke soll nach Angaben der DEGES noch zum Jahresende in Betrieb gehen. Dann soll der Verkehr auf der A7 über das neue, dreispurige Teilbauwerk geführt werden.

Anschließend ist der Abriss der alten Brücke vorgesehen. Das Ausschreibungsverfahren dafür läuft bereits. An ihrer Stelle soll die zweite Hälfte des Neubaus entstehen. Der Baubeginn ist für 2028 geplant. Nach derzeitiger Planung könnte die gesamte neue Hochbrücke im Jahr 2031 fertiggestellt werden. Voraussetzung ist eine durchgängige Finanzierung.

Die Arbeiten liegen nach Angaben der DEGES bislang im vorgesehenen Zeitrahmen. Der offizielle Baubeginn war im April 2023. Die alte Rader Hochbrücke darf nach statischen Untersuchungen nur noch bis einschließlich 2026 genutzt werden.

Zentrale Verbindung nach Skandinavien

Die Rader Hochbrücke ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen im Norden. Sie führt die Autobahn 7 über den Nord-Ostsee-Kanal und verbindet Schleswig-Holstein mit Dänemark und dem weiteren skandinavischen Raum.

Zum Beginn des Neubaus im Jahr 2023 nutzten nach Angaben der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen täglich etwa 53.000 Fahrzeuge diesen Abschnitt der A7. Die DEGES rechnet damit, dass die Zahl bis 2030 auf rund 60.000 steigen könnte.

Das neue Bauwerk wird insgesamt etwa 1.500 Meter lang. Die gesamte Ausbaustrecke umfasst rund 5,3 Kilometer. Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus entstehen außerdem knapp sieben Kilometer neue Lärm- und Windschutzwände.

Der Auftragswert für das erste Teilbauwerk liegt bei 307 Millionen Euro. Neben der Hochbrücke gehören mehrere Unterführungen sowie der Ausbau der A7 zwischen der Anschlussstelle Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg zum Gesamtprojekt.