Mit dem London-Taxi durch Flensburg: „Crizzy“ setzt auf ein besonderes Konzept

 |  von Thomsen / Foerde.news

Optisch ein London-Taxi, technisch an Deutschland angepasst: Das Lenkrad befindet sich auf der linken Seite. - Fotos: Thomsen

Flensburg – Ein Taxi, das aussieht wie aus einem Londoner Filmset, aber nachts durch Flensburg fährt: Seit Ende November ist das Unternehmen „Crazy Crizzy Taxi“ von Christina „Crizzy“ May offiziell unterwegs – mit einem LEVC TX eCity, einem modernen London-Taxi mit Elektroantrieb und Range Extender.

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Die Unternehmerin verbindet damit gleich mehrere Ziele: barrierefreie Mobilität, Komfort für Gruppen und Familien sowie ein unverwechselbares Erscheinungsbild im Stadtverkehr.

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Ein London-Taxi als Statement

Der LEVC TX eCity wird von der London Electric Vehicle Company gebaut und gilt als Klassiker in modernem Gewand: ein elektrisches Taxi mit Range-Extender-Technik. Rein elektrisch kann der Wagen über 80 Meilen, also rund 130 Kilometer, zurücklegen; ein Benzinmotor dient ausschließlich als Generator und verlängert die Gesamtreichweite auf über 300 Meilen, rund 480 Kilometer – Reichweitenangst ist damit auch auf längeren Touren kaum ein Thema.

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Für Christina war schnell klar, dass sie kein „normales“ Taxi will.
„Ich wollte ein Auto, das wirklich alle befördern kann – Rollstuhlfahrer, ältere Menschen, Familien, Gruppen“, erzählt sie. „Als ich das London-Taxi gesehen habe, war für mich klar: Das ist es.“

Von Bekannten gab es zunächst Kopfschütteln: seltenes Fahrzeug, schwierige Ersatzteillage, spezielle Werkstatt. Christina blieb dennoch stur – und kaufte den Wagen.

Warum „Crazy Crizzy Taxi“?

Der Name trägt gleich zwei Ebenen: „Crazy“ steht für „anders“, auffällig, ein wenig verrückt – „Crizzy“ ist Christinas Spitzname. Zusammen wird daraus „Crazy Crizzy Taxi“, ein bewusst ungewöhnlicher Markenauftritt.

Hinzu kommt ein Detail, das sofort ins Auge fällt: ein Fuchsschwanz am Wagen – eine Hommage an den Kultfilm „Manta Manta“, der in ihrer Heimatstadt Hagen gedreht wurde. „Das ist ein bisschen verrückt, passt aber zu mir und zu meinem Taxi“, sagt sie.

Komfort, Platz und Barrierefreiheit

Der Innenraum des LEVC TX erinnert eher an eine kleine Lounge als an ein klassisches Taxi. Bis zu sechs Personen finden Platz, die Sitze sind einander gegenüber angeordnet – ideal für Familien oder Gruppen, die sich während der Fahrt unterhalten möchten.

Ein besonderes Merkmal ist der schwenkbare Sitz, der sich um 90 Grad zur Tür drehen lässt. „Das ist gerade für ältere Menschen oder Fahrgäste mit Handicap eine enorme Hilfe“, erklärt Christina. „Wer schlecht einsteigen kann oder das Bein nicht gut beugen kann, hat es so viel leichter.“

Der Wagen ist rollstuhlgerecht: Eine seitliche Rampe lässt sich aus dem Fahrzeugboden herausziehen. Dafür braucht Christina beim Halten etwas mehr Platz seitlich, sorgt aber mit geschicktem Parken dafür, dass die Rampe sicher ausgeklappt werden kann.

Auch Kinderwagen können vollständig in den großzügigen Innenraum geschoben und mit Gurten gesichert werden. „Das Auto gibt einfach alles her – vom Rollstuhl bis zur Großfamilie“, fasst sie zusammen.

Technik: Elektro, Benzin und viel Computer

Das London-Taxi fährt überwiegend elektrisch. Über ein zentrales Bord-Computer-System kann Christina zwischen verschiedenen Fahrmodi wählen: rein elektrisch, überwiegend elektrisch oder überwiegend benzinunterstützt, um die Reichweite auf längeren Überlandfahrten zu erhöhen.

Das Armaturenbrett ist englisch beschriftet, die zentrale Bedienoberfläche jedoch auf Deutsch. Klimaanlage und Heizung können für Vorder- und Hinterkabine getrennt geregelt werden – ein Vorteil, wenn etwa ältere Fahrgäste hinten es gern wärmer haben als der Fahrer vorn.

Türen, die auffallen – und schützen

Auffällig ist auch die Bauweise der sogenannten „Suicide Doors“ (umgangssprachlich „Suizid-Türen“): Die gegenläufig angeschlagenen Fondtüren öffnen sich weit – nahezu im 90-Grad-Winkel – und erleichtern so den Ein- und Ausstieg erheblich, insbesondere für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste.

Aus Sicherheitsgründen ist die hintere linke Tür während der Fahrt elektronisch verriegelt, damit Fahrgäste nicht zur Fahrbahnseite hin aussteigen können. Der Ausstieg erfolgt grundsätzlich auf der rechten Seite zum Bordstein hin.

Sicherheit durch Trennwand und Kommunikation

Wie in London ist auch in Christinas Taxi eine feste Trennwand zwischen Fahrer- und Fahrgastraum eingebaut – von Werk an, nicht nachgerüstet. Sie dient als Schutz vor Übergriffen und Belästigungen und sorgt gleichzeitig für eine klare Trennung der Bereiche.

Kommuniziert wird über ein Mikrofonsystem: Christina hat vorne ein Mikrofon, das sie bei Bedarf zuschalten kann. Hinten können die Fahrgäste die Tonverbindung ebenfalls steuern. „Wenn die Leute einfach nur Musik hören wollen, schalte ich das Mikro aus – wenn jemand mit mir sprechen möchte, schalte ich es wieder ein“, erzählt sie.

Bezahlen einfach

Trotz Trennwand bleibt die Bezahlung unkompliziert. Durch eine kleine Öffnung können Bargeld und EC-Gerät gereicht werden. Akzeptiert werden Barzahlung, EC-Karten sowie gängige Kreditkarten wie Mastercard und Visa – auch kontaktlos. „Das EC-Gerät funktioniert problemlos durch die Trennwand“, betont Christina.

Preislich unterscheidet sich „Crazy Crizzy Taxi“ nicht von anderen Taxis in Flensburg. Die Fahrten laufen nach dem offiziellen Tarif. Ab fünf Personen fällt – wie gesetzlich vorgesehen – ein Gruppen-Zuschlag von zehn Euro an. „Viele denken, das große Taxi sei teurer. Aber das ist es nicht“, sagt sie. „Das sieht man dann auch am Taxameter.“

Rollstuhltaxen: „Mangelware in Flensburg“

Besonders spürbar ist die Nachfrage bei Rollstuhlfahrten. „Rollstuhltaxen sind in Flensburg echte Mangelware“, berichtet Christina. Mit dem London-Taxi füllt sie eine Lücke, die im Alltag vieler Menschen mit Behinderung deutlich zu spüren ist.

Regelmäßig übernimmt sie Dialysefahrten und andere feste Touren. Um Ausfälle zu vermeiden, hat sie wichtige Ersatzteile vorsorglich organisiert und über ihre Versicherung einen Schutzbrief abgeschlossen, der ihr im Pannenfall schnell ein Ersatztaxi sichert – wenn auch nicht im London-Design.

Betrieb vor allem nachts – bewusst nur ein Wagen

„Crazy Crizzy Taxi“ ist in erster Linie nachts unterwegs: in der Regel von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens. Unter der Woche fährt überwiegend Christina selbst, am Wochenende unterstützt sie ein Fahrer. Tagsüber ist das Taxi meist nur auf Vorbestellung im Einsatz – vor allem für planbare Touren wie Krankenfahrten oder Rollstuhlfahrten.

Vergrößern möchte sie sich bewusst nicht. „Je mehr Autos, desto mehr Bürokratie, Stress und Risiko“, sagt sie. Außerdem sei der besondere Wagen nicht für jeden Fahrer einfach zu bedienen. „Ich möchte lieber mit einem Taxi arbeiten, dafür mit voller Konzentration und Spaß – das merken auch die Fahrgäste.“

Vom Zentral-Taxi zur eigenen Marke

Christina fährt seit rund vier Jahren Taxi. Zunächst arbeitete sie in einer Zentrale – merkte aber bald, dass sie dort ihre eigene Art und ihren Stil zu stark anpassen müsste. Sie legte die Unternehmerprüfung ab und machte sich selbstständig.

„Ich wollte meine Persönlichkeit nicht verbiegen“, sagt sie rückblickend. „Ich arbeite gern mit Menschen, aber ich brauche meinen eigenen Kopf – und mein eigenes Konzept.“

Heute fährt sie unabhängig, ist keiner Zentrale angeschlossen und tritt mit ihrem Fahrzeug klar als eigene Marke auf. Eine eigene Buchungs-App mit Live-Verfolgung und Chatfunktion ist in Vorbereitung, weitere Aktivitäten in den sozialen Medien sollen folgen.

Die Frau hinter „Crazy Crizzy Taxi“

Christina ist 39 Jahre alt, Mutter von zwei Söhnen im Alter von 17 und 20 Jahren. Neben dem Taxi arbeitet sie weiterhin in einer Spielhalle – ebenfalls nachts. „Das Taxifahren ist viel Sitzen, in der Spielhalle bin ich fast nur auf den Beinen“, sagt sie. „Das ist ein guter Ausgleich.“

Was ihr am wichtigsten ist? „Dass es mir Spaß macht“, sagt sie. „Wenn ich gut gelaunt bin, überträgt sich das auf die Fahrgäste. Und genau das soll ‚Crazy Crizzy Taxi‘ sein: ein bisschen anders, aber verlässlich – und für alle.“

Dank an Zentrale und Kolleginnen und Kollegen

Zum Schluss hat Christina noch eine persönliche Botschaft:
„Ich möchte mich bei den Taxizentralen und meinen neuen Kolleginnen und Kollegen bedanken, dass sie mich so herzlich aufgenommen haben“, sagt sie. „Auch wenn ich mit meinem London-Taxi ein bisschen aus der Reihe falle – ich fühle mich in der Flensburger Taxi-Gemeinschaft sehr gut aufgehoben.“