Nächtliche Sperrung der Harrisleer Straße - Vorbereitung zur Verlegung der 110 Kv-Leitung

 |  von Thomsen / Foerde.news

In den nächsten zwei Nächten sind die Harrisleer Straße teilweise gesperrt - Foto: Thomsen

Flensburg –

Seit Montagabend gegen 19 Uhr ist die Harrisleer Straße zwischen der Meiereistraße und der Eckener Straße voll gesperrt. Derzeit werden Querschnitte im Asphalt hergestellt, um den Untergrund zu untersuchen. Auf dieser Basis soll später millimetergenau festgelegt werden, wo die Stromleitung verlegt wird, um unvorhergesehene Hindernisse zu vermeiden und die Bauzeit zu verkürzen.

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Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits im September stattfinden. Die Maßnahme wurde damals jedoch kurzfristig verschoben. „Wir wollten nicht noch eine Straße sperren“, erklärte Stadtwerke-Pressesprecher Peer Holdensen zur Begründung.

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Die Sperrungen sind nun ausschließlich für zwei Nächte angesetzt:

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  • von Montag, 15. Dezember 2025, 19.00 Uhr, bis Dienstag, 16. Dezember 2025, 6.00 Uhr,

  • sowie von Dienstag, 16. Dezember 2025, 19.00 Uhr, bis Mittwoch, 17. Dezember 2025, 6.00 Uhr.

Auf den Internetseiten und Social-Media-Kanälen des TBZ und der Stadtwerke Flensburg findet sich kein Hinweis auf die nächtlichen Vollsperrungen. Auch die Presse wurde im Vorfeld nicht über die Maßnahme informiert, sodass eine rechtzeitige Information unserer Leserschaft nicht möglich war. Entsprechend überrascht reagierten zahlreiche Autofahrer, die in die Harrisleer Straße einbogen und dort unvermittelt wieder wenden mussten.

Von der Neustadt aus sind zwar Absperrbaken mit dem Hinweis „bis zur Baustelle frei“ aufgestellt, allerdings ohne genaue Angabe, ab welchem Punkt die Straße tatsächlich gesperrt ist. Offenbar waren auch viele Anwohner nicht vorab informiert: Einige versuchten, mit ihren Fahrzeugen aus der Meiereistraße auf die Harrisleer Straße einzubiegen und mussten erst von den Bauarbeitern aus dem abgesperrten Bereich herausgelotst werden. Für die Anwohner der Harrisleer Straße bedeutet das in diesen zwei Nächten: Ohrstöpsel rein und versuchen zu schlafen – trotz nächtlicher Baugeräusche vor der Haustür.

Hintergrund der Maßnahme ist ein Großprojekt der Stadtwerke Flensburg. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, die gesamte Stadt bis zum Jahr 2035 CO₂-neutral mit Fernwärme zu versorgen – sofern die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies zulassen. Neben dem Umbau der Erzeugungsanlagen wird dafür von Mitte September 2025 bis Juni 2026 eine neue 110.000-Volt-Stromleitung (110 kV) zur Anbindung an das deutsche Stromnetz verlegt.

„Zum einen wird die bisherige Hochvoltanbindung an das dänische Stromnetz nicht wie bisher weiterbetrieben. Zum anderen benötigen wir für unsere geplanten Großwärmepumpen im Flensburger Heizkraftwerk ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien. Und den soll uns die neue 110-kV-Leitung aus dem deutschen Stromnetz liefern“, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Karsten Müller-Janßen. Auch der wachsende Strombedarf durch E-Mobilität soll über diese Verbindung mit grüner Energie gedeckt werden.

Die neue, rund neun Kilometer lange Leitung führt von einem neuen Umspannwerk auf dem Stadtwerke-Gelände über die Harrisleer Straße, die Harrisleer Umgehung und den Ochsenweg in Flensburg-Weiche bis zum Umspannwerk Weding. Der Leitungsbau ist mit erheblichen Eingriffen in den Straßenraum verbunden, die sich nach Angaben der Stadtwerke jedoch so gering wie möglich halten sollen.

So werden die Arbeiten in der Harrisleer Straße in etwa 120 Meter langen Teilabschnitten im neuen Jahr durchgeführt. Dort ist überwiegend eine halbseitige Sperrung mit Ampelregelung vorgesehen, Vollsperrungen sollen nur in kurzen Abschnitten notwendig werden. Wo es technisch möglich ist, sollen die Leitungen im Bohrverfahren verlegt werden, um offene Baugruben und Verkehrsbehinderungen zu vermeiden. In der Harrisleer Straße ist dies wegen der starken Steigung allerdings nicht umsetzbar, wie Projektleiter Nils Seidel erklärt: Die für das Bohrverfahren notwendige Flüssigkeit würde dort stetig abfließen.

Für das Projekt sind zwei Baufirmen mit eng getakteten Zeitvorgaben beauftragt, zudem wurde ein detaillierter Verkehrszeitenplan erstellt. Weil der Leitungsneubau nicht ohne Belastungen für Anwohner und Verkehr umzusetzen ist, spielt nach Angaben der Stadtwerke die Kommunikation eine zentrale Rolle.

Neben dem Verkehrsticker des TBZ wurde auf der Homepage der Stadtwerke eine eigene Baustellen-Seite eingerichtet. Anwohner sollen per Informationsschreiben mit direkten Ansprechpartnern über die Bauaktivitäten in ihrem Umfeld informiert werden. Für die anliegenden Gewerbetreibenden sind zudem persönliche Gespräche mit den Stadtwerken vorgesehen, um individuelle Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten.