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Neues Grabfeld „Mensch-Tier“ auf dem Friedenshügel geplant
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Auf dem Friedhof Friedenshügel entsteht ein neues Gemeinschaftsgrabfeld „Mensch-Tier“. Ab dem 1. Januar 2027 sollen dort Menschen gemeinsam mit den Urnen ihrer Haustiere beigesetzt werden können. Die Idee kam aus der Bevölkerung, die Flensburger Friedhöfe entwickelten daraus ein neues Angebot. Bei einem Ortstermin erläuterten Karsten Sörensen, Cornelia Richer und Barbara Hartten, wie das Grabfeld funktionieren soll.
Für viele Menschen ist ein Haustier weit mehr als ein Tier. Hund, Katze oder ein anderes Haustier begleiten ihre Besitzer oft über viele Jahre und werden zu einem festen Teil der Familie. Was aber geschieht nach dem Tod? In Flensburg soll es künftig möglich sein, auch über den Tod hinaus an einem gemeinsamen Ort verbunden zu bleiben. Auf dem Friedhof Friedenshügel wird dafür das neue Gemeinschaftsgrabfeld „Mensch-Tier“ vorbereitet.
Die entsprechende Satzungsänderung wurde für die Ratsversammlung am 24. September 2026 vorgelegt. Nach den Plänen soll die neue Regelung am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Vorgesehen sind sowohl Urnen- als auch Erdbestattungen von Menschen. Haustiere werden ausschließlich in kremierter Form beigesetzt.
Einer, der das Thema angestoßen hat, ist Karsten Sörensen. Sörensen trat bei der Kommunalwahl für die CDU an. Bei dem Ortstermin schilderte er, wie die Idee entstand. Ein Vorbild sei die Nachbargemeinde Harrislee gewesen, wo eine entsprechende Möglichkeit bereits seit 2025 angeboten werde.
„Die Idee ist entstanden, weil Harrislee das jetzt seit 2025 anbietet“, sagte Sörensen. Den entscheidenden Anstoß habe für ihn aber eine Begegnung mit einem älteren Ehepaar aus Mürwik gegeben. Er habe die beiden am Tierheim getroffen. Dort sei er gefragt worden, warum es in Flensburg nicht möglich sei, Mensch und Tier gemeinsam an einem Grab zu bestatten.
Die Frage habe ihn nicht mehr losgelassen. „Da habe ich gesagt: Das ist eine gute Frage“, erinnerte sich Sörensen. Er habe sich daraufhin an die Flensburger Friedhöfe gewandt. Dort sei ihm zunächst erklärt worden, dass die geltende Friedhofs- und Bestattungssatzung eine solche Beisetzung nicht zulasse.
Für Sörensen war das allerdings kein Grund, das Vorhaben aufzugeben. „Da habe ich gesagt: Was müssen wir machen? Harrislee bietet das doch an“, berichtete er. Sein Ziel sei es gewesen, Menschen eine Möglichkeit zu geben, ihren langjährigen tierischen Begleiter nicht zwangsläufig auf einem weit entfernten Tierfriedhof bestatten zu müssen, sondern eine gemeinsame Grabstätte wählen zu können.
Aus dieser Initiative entwickelte sich schließlich die nun vorliegende Satzungsänderung. Die Stadtverwaltung begründet den Schritt damit, dass im Gemeinschaftsgrabfeld „Mensch-Tier“ die gemeinsame Beisetzung eines Menschen mit kremierten Haustieren ermöglicht werden soll. Die Regelungen werden in die Friedhofssatzung aufgenommen.
Sörensen zeigte sich bei dem Ortstermin zufrieden, dass aus der ursprünglichen Idee nun ein konkretes Angebot wird. Nach seinen Worten ist das Gelände eigens dafür vorbereitet worden. „Ab 1. Januar 2027 können jetzt Mensch und Tier zusammen beerdigt werden“, sagte er.
Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, wer zuerst stirbt. Ein Haustier kann vor seinem Besitzer sterben und seine Urne zunächst auf der Grabstelle beigesetzt werden. Stirbt später der Mensch, kann die Grabstätte entsprechend genutzt werden. Umgekehrt kann die Tierurne auch zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommen.
„Ob das Tier zuerst beerdigt wird oder die Person, das ist völlig egal“, erklärte Sörensen. Maximal zwei Tierurnen sollen nach seinen Angaben einer Grabstelle zugeordnet werden können. Wer mehr Tiere beisetzen lassen möchte, benötigt eine weitere Grabstelle.
Auch die Art des Haustieres ist dabei nicht entscheidend. Nach Angaben Sörensens kann es sich ebenso um einen Hamster wie um ein Pferd handeln. Voraussetzung ist allerdings, dass das Tier zuvor in einem externen Tierkrematorium eingeäschert wurde. Eine Kremierung von Tieren findet auf dem Flensburger Friedhof nicht statt.
Das Gemeinschaftsgrabfeld wird als halbanonyme Anlage gestaltet. Die einzelnen Grabstellen sollen nicht wie klassische Familiengräber mit jeweils eigenen großen Grabsteinen ausgestaltet werden. Stattdessen sind nach Angaben Sörensens Kennzeichnungen vorgesehen, anhand derer die Grabstellen zugeordnet werden können.
Zugleich soll das Areal ein Ort werden, an dem Hinterbliebene verweilen können. „Das wird alles nett hergerichtet“, sagte Sörensen. Vorgesehen seien unter anderem Bänke und ein kleiner Pavillon. Wichtig sei außerdem die gute Erreichbarkeit. Das Grabfeld liege deshalb nahe an einem Weg beziehungsweise einer Straße. Menschen mit Rollator oder Rollstuhl sollen möglichst problemlos zu den Grabstätten gelangen können.
Sörensen verbindet mit dem neuen Angebot zudem die Hoffnung, den Friedhof für Menschen attraktiver zu machen, die sich bislang für andere Bestattungsformen entscheiden. Er sprach dabei von einer zunehmenden „Grabflucht“ in Richtung anonymer oder naturnaher Bestattungen. Manche Menschen entschieden sich heute für eine Seebestattung oder für einen Ruheforst. Das neue Angebot könne dazu beitragen, wieder mehr Menschen für eine Beisetzung auf dem Friedhof zu gewinnen.
Wie die gemeinsame Bestattung praktisch funktioniert, erläuterte Cornelia Richer, die als Gärtnermeisterin auf dem Friedhof arbeitet.
Bei einer Erdbestattung werde zunächst ein klassisches Sarggrab vorbereitet. „Der Sarg wird ausgekoffert mit einem Grabverbauer auf circa zwei Meter Tiefe“, erklärte Richer. Dabei müsse auch die Beschaffenheit des Untergrunds berücksichtigt werden. Anschließend werde der Sarg beigesetzt. „Da wird der Sarg beigesetzt und obendrauf kommen die Urnen“, sagte sie.
Entscheidend ist dabei die Reihenfolge innerhalb des Grabes. „Der Sarg liegt immer unten“, stellte Richer klar. Die Urnen werden darüber beigesetzt. Das gilt auch dann, wenn die Tierurne bereits vor dem Menschen bestattet worden ist. In diesem Fall kann sie vorübergehend herausgenommen und sicher verwahrt werden, während die Sargbestattung vorbereitet wird. Anschließend erfolgt erneut die Beisetzung der Tierurne.
Bei einer reinen Urnenbestattung ist die Situation einfacher. Das dafür vorgesehene Grab sei so bemessen, dass mehrere Urnen Platz finden könnten. Richer erläuterte, dass dort zwei Menschenurnen und zusätzlich zwei Tierurnen nebeneinander Platz finden können.
Anders sieht es bei zwei Sargbestattungen aus. Soll etwa ein Ehepaar später jeweils im Sarg beigesetzt werden, werden zwei Grabstellen benötigt. „Was Sie hier sehen, ist eine Grabstelle für einen Sarg“, erklärte Richer. Für einen zweiten Sarg müsse entsprechend eine weitere Grabstelle hinzukommen. Die Plätze auf dem Gemeinschaftsfeld werden der Reihe nach vergeben.
Allerdings rechnet die Friedhofsleitung ohnehin damit, dass die meisten Interessenten eine Urnenbestattung wählen werden. Barbara Hartten, Geschäftsführerin der Flensburger Friedhöfe und in der städtischen Vorlage als Berichterstatterin genannt, verweist auf einen deutlichen Wandel der Bestattungskultur.
„Der Trend ist sowieso eindeutig zur Urnenbestattung“, sagte Hartten. Nach ihren Angaben liege deren Anteil inzwischen bei ungefähr 85 Prozent. Deshalb sei die Wahrscheinlichkeit vergleichsweise gering, dass auf dem neuen Feld zahlreiche Sargbestattungen vorgenommen würden.
Für Hartten hat diese Entwicklung vor allem mit veränderten Lebensumständen zu tun. Viele Angehörige könnten oder wollten sich nicht mehr dauerhaft um ein klassisches Grab kümmern. „Es geht in der Regel darum, dass man sich nicht mehr so sehr um ein Grab kümmern möchte als Hinterbliebener“, erklärte sie.
Bei einer klassischen Erdbestattung entstehe dagegen oft dauerhaft Pflegeaufwand. „Da habe ich in der Regel einen Sarg mit einem Grabstein oder wie auch immer, und da muss ich das pflegen“, sagte Hartten. Entweder übernähmen Angehörige diese Arbeit selbst oder sie müssten eine Grabpflege beauftragen. Beides könne aufwendig beziehungsweise mit zusätzlichen Kosten verbunden sein.
Hinzu komme, dass Familien heute häufig über große Entfernungen verteilt lebten. Kinder oder andere Angehörige wohnten möglicherweise längst in München, Hamburg oder anderen Städten, während sich das Familiengrab weiterhin in Flensburg befinde. Regelmäßige Pflege werde dadurch schwieriger.
Hartten machte das an einem persönlichen Beispiel deutlich: Ihr Vater sei in Hamburg-Bergedorf verstorben. „Wie soll ich denn immer dahin?“, fragte sie. In solchen Fällen bleibe oft nur die Möglichkeit, die Pflege in Auftrag zu geben. Aus ihrer Sicht ist dies einer der Gründe dafür, dass pflegeleichte und urnenbasierte Bestattungsformen immer stärker nachgefragt werden.
Das neue „Mensch-Tier“-Grabfeld greift genau diese Entwicklung auf. Die Anlage wird gemeinschaftlich gepflegt. Sörensen wies darauf hin, dass die Pflege bereits in den Gebühren berücksichtigt sei.
Auch die Kosten stehen inzwischen fest. Für eine Urnenbestattung beträgt die Gebühr laut städtischer Vorlage 1.240 Euro. Für die Beigabe einer Tierurne kommen 262 Euro hinzu. Bei einer Erdbestattung werden 1.565 Euro für die Grabstätte fällig, die Tierbeigabe kostet zusätzlich 328 Euro.
Hartten bestätigte diese Beträge auch während des Ortstermins. „Die Tierbeigabe bei Urne kostet 262 Euro, und die Tierbeigabe zum Sarg kostet 328 Euro“, erklärte sie. Das Sarggrab koste 1.565 Euro, das Urnengrab 1.240 Euro. Dabei handele es sich jeweils um einmalige Gebühren für das jeweilige Nutzungsrecht beziehungsweise die Beigabe.
Die Stadt begründet die Höhe damit, dass die Gebühren die Kosten für Bereitstellung, Unterhaltung und Bewirtschaftung der Grabstätten decken sollen. Sie wurden deshalb in die Gebührentabelle der Friedhofssatzung aufgenommen.
Mit dem Gemeinschaftsgrabfeld reagiert Flensburg damit sowohl auf einen gesellschaftlichen Wandel als auch auf einen sehr persönlichen Wunsch vieler Tierhalter. Für Sörensen schließt sich damit ein Kreis, der mit der einfachen Frage eines älteren Ehepaars begonnen hatte: Warum sollte es nicht möglich sein, dort bestattet zu werden, wo auch der langjährige tierische Begleiter seine letzte Ruhe findet?
Ab dem 1. Januar 2027 soll genau das auf dem Friedenshügel möglich sein. Der Mensch kann im Sarg oder in der Urne bestattet werden, das Haustier in einer Urne. Damit bekommt Flensburg eine Bestattungsform, die eine Beziehung sichtbar macht, die für viele Menschen ein Leben lang von großer Bedeutung war.
