Schülerstreik gegen Wehrdienstpläne: Rund 150 Demonstrierende ziehen durch Flensburg
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Rund 150 Menschen haben am Donnerstag in Flensburg am zweiten „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ teilgenommen. Neben Jugendlichen, die nach Angaben der Veranstalter kurz vor ihrem 18. Geburtstag stehen, waren demnach auch Kinder unter 14 Jahren unter den Demonstrierenden. „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft.“ Das war einer der vielen Rufe von demonstrierenden Schülern in Flensburg am Donnerstagvormittag.
Der Demonstrationszug startete am Rathausplatz und führte über die Friedrich-Ebert-Straße und die Dr.-Todsen-Straße in Richtung Angelburger Straße. Weiter ging es über den Süderhofenden/Rathausstraße bis zum Holm. Viele Teilnehmende trugen Plakate und Transparente; zentrale Parolen lauteten unter anderem „Nein zur Wehrpflicht“.
Hintergrund der Proteste ist die Sorge, dass aus verpflichtenden Elementen wie Erfassung und Musterung perspektivisch eine Rückkehr zur klassischen Wehrpflicht werden könnte. Die Initiative verweist darauf, dass vor allem Männer von verpflichtenden Schritten betroffen sein könnten – und warnt vor einer schrittweisen Ausweitung.
Bereits am 5. Dezember hatte die Gruppe einen bundesweiten „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ organisiert. An diesem Tag wurde im Bundestag ein neues Wehrdienstgesetz verabschiedet. „Es soll nicht nur bei diesem einen Streik bleiben, wir müssen weiter laut sein“, hieß es aus dem Umfeld der Organisatoren. Der erste Streik habe dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschafft.
Das geplante Wehrdienstmodell, das häufig als „neue Wehrpflicht“ bezeichnet wird, soll nach Angaben aus Regierungskreisen zum 1. Januar 2026 starten. Diskutiert wird demnach ein System, das auf Freiwilligkeit setzt, zugleich aber verpflichtende Erfassungselemente vorsieht – etwa einen Fragebogen für 18-jährige Männer; für Frauen wäre die Teilnahme freiwillig. In einem weiteren Schritt könnte eine erneute verpflichtende Musterung für bestimmte Jahrgänge folgen. Zudem wird über eine sogenannte „Bedarfswehrpflicht“ debattiert, die im Fall ausbleibender Freiwilligenzahlen politisch aktiviert werden könnte.
Die Protestierenden in Flensburg kündigten an, sich auch in Zukunft an bundesweiten Aktionen gegen die Wehrdienstpläne zu beteiligen.