Sicherheit am Weihnachtsmarkt kostet zehntausende Euro

 |  von Thomsen / Foerde.news

Sicherheit kann man nicht mit Geld aufwiegen - Archvifotos: Thomsen

Flensburg – Seit Mitte November lädt zunächst der Wintermarkt und seit der offiziellen Eröffnung am 25. November 2025 der Weihnachtsmarkt in der Flensburger Innenstadt zum Bummeln ein. Veranstalter ist die Tourismus Agentur Flensburger Förde (TAFF). Begleitet wird die Veranstaltung auch in diesem Jahr von einem umfangreichen Sicherheitskonzept, das an die Maßnahmen der vergangenen Jahre anknüpft und weiter ausgebaut wurde.

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Hintergrund sind die weiterhin als gefährdet eingestuften Weihnachtsmärkte in Deutschland. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu schweren Vorfällen, bei denen Fahrzeuge in Menschenmengen gesteuert wurden. Zuletzt fuhr am 20. Dezember in Magdeburg ein in Saudi-Arabien geborener 51-Jähriger rund 300 Meter über den Weihnachtsmarkt und verletzte 323 Menschen, darunter 52 Kinder. Sechs Personen im Alter von 45, 52, 67 und 75 Jahren sowie ein fünfjähriger Junge starben.

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Bereits sieben Jahre zuvor war der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Berliner Breitscheidplatz gerast. 13 Menschen kamen ums Leben, mindestens 67 weitere Besucherinnen und Besucher wurden zum Teil schwer verletzt. Seit diesen Taten werden Weihnachtsmärkte bundesweit mit massiven Zufahrtssperren und weiteren Vorkehrungen gegen derartige Amokfahrten gesichert.

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Sandsäcke, Steinblöcke und Patrouillenfahrzeuge

Auch in Flensburg wurden die Sicherheitsmaßnahmen in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt verschärft. Zunächst wurden an den Zufahrtsstraßen zum Südermarkt, zur Holmhöhe, zur Großen Straße und zum Nordermarkt Sandsäcke platziert, die später in kleinen weihnachtlich gestalteten Holzhütten kaschiert wurden.

In diesem Jahr kommen zusätzlich massive Steinquader in der Rathausstraße zum Einsatz. Außerdem patrouilliert ein Sicherheitsdienst mit Fahrzeugen an den relevanten Zufahrten zum Veranstaltungsbereich, um unbefugte Einfahrten zu verhindern.

„Die Sicherheit unserer Gäste hat für uns oberste Priorität“, betont Gorm Casper, Pressesprecher der Tourismus Agentur Flensburger Förde (TAFF). „Dazu gehören bauliche Barrieren, ein professioneller Sicherheitsdienst und eine enge Abstimmung mit Stadt, Feuerwehr und Polizei. Wir überprüfen diese Maßnahmen fortlaufend und passen sie bei Bedarf an.“

Zwar gilt der Flensburger Weihnachtsmarkt aufgrund der baulichen Gegebenheiten der Altstadt als vergleichsweise gut geschützt, dennoch sieht die Stadt weiteren Handlungsbedarf, um die Besucherinnen und Besucher bestmöglich zu sichern.

Polizei mit sichtbarer und verdeckter Präsenz

Auf Anfrage von Förde.news teilt die Polizeidirektion mit, dass im Bereich der Veranstaltungsflächen sowohl eine verstärkte sichtbare Präsenz uniformierter Kräfte als auch der Einsatz ziviler Beamtinnen und Beamten vorgesehen ist.

„Im Bereich des Weihnachtsmarktes haben wir die sichtbare Präsenz uniformierter Kolleginnen und Kollegen erhöht und zusätzlich zivile Kräfte im Einsatz“, erklärt der Pressesprecher der Polizeidirektion Marcel Paulsen. „Unser Ziel ist es, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Besucherinnen und Besucher bestmöglich zu schützen.“

Die Polizei stehe zudem fortlaufend in engem Austausch mit der Stadt Flensburg, der Berufsfeuerwehr, dem Rettungsdienst, der Bundespolizei sowie den Verantwortlichen des Weihnachtsmarktes. Die ohnehin hohen Sicherheitsvorkehrungen würden regelmäßig mit Blick auf die aktuelle Lage überprüft und bei Bedarf angepasst.

Zu konkreten Details äußert sich die Behörde bewusst zurückhaltend. „Aus polizeitaktischen Gründen können wir keine näheren Angaben zu unserem Einsatzkonzept machen“, so der Sprecher weiter. Es handele sich um ein zusätzliches Sicherheitskonzept, das die regulären Einsatzstärken der Polizeidienststellen ergänze. Die Begleitung des Weihnachtsmarktes gehöre zur allgemeinen Aufgabenerfüllung der Polizeidirektion; gesondert ausweisbare Zusatzkosten entstünden dadurch nach Darstellung der Behörde nicht.

Sicherheitskosten von über 50.000 Euro

Nach Auskunft der TAFF belaufen sich die Sicherheitskosten rund um den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr auf insgesamt mehr als 50.000 Euro. Ein wesentlicher Anteil entfällt auf den Sicherheitsdienst, der während der Öffnungszeiten das Einfahren unbefugter Fahrzeuge in den Veranstaltungsbereich verhindert.

Die exakten Kosten des Sicherheitsdienstes werden nicht veröffentlicht. „Zu einzelnen Vertragskonditionen, insbesondere zu den exakten Kosten des Sicherheitsdienstes, können wir uns aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht äußern“, erläutert TAFF-Sprecher Gorm Casper. Man habe den Auftrag auf Grundlage einer vergleichenden Preisabfrage bei mehreren Anbietern vergeben. Da auch im kommenden Jahr wieder vergleichbare Angebote eingeholt werden sollen, wolle man verhindern, dass sich Anbieter an veröffentlichten Zahlen orientieren und damit den Wettbewerb einschränken.

Auch die Kosten der verschiedenen Barrierenarten können laut Stadt nicht separat ausgewiesen werden, da der Sammeltransport der Elemente einen wesentlichen Teil der Gesamtkosten ausmache.

Einsatzzeiten und Aufgaben des Sicherheitsdienstes

Der Sicherheitsdienst ist täglich von 11 Uhr bis 30 Minuten nach Schließung des Weihnachtsmarktes im Einsatz. Jeweils eine Sicherheitskraft befindet sich in einem versperrenden Pkw am Südermarkt sowie in der Norderstraße auf Höhe des Porticus. Darüber hinaus ist auch über Nacht Sicherheitsdienst zur Bewachung vor Ort. Aus Sicherheitsgründen werden hierzu keine weiteren Details veröffentlicht.

Die auf den physischen Blockaden angebrachte Werbung war nach Angaben der TAFF Bestandteil des wirtschaftlich günstigsten Angebots im Rahmen der Ausschreibung zur Bereitstellung der Barrieren.

Rettungswege und Lieferverkehr bleiben gewährleistet

Die Sperre in der Rathausstraße wurde quer zur Fahrtrichtung aufgebaut. So soll sichergestellt werden, dass Lieferverkehr und Einsatzkräfte vom Südermarkt bis zum Nordermarkt weiterhin passieren können. Eine alternative Platzierung von Sperrelementen hätte nach Einschätzung der Verantwortlichen dazu geführt, dass weder ein Wenden noch ein sicherer Gegenverkehr entlang der Weihnachtsmarkthütten möglich gewesen wäre.


Solche Poller stehen unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt in Potsdam – die gezeigten Poller und Barrieren sichern den Markt in Osnabrück.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Potsdam ist es anders geregelt: Wie mehrere Medien berichteten, stehen dort unter anderem sogenannte Poller, die rund 350 Kilogramm wiegen. Diese müssen mehrmals in der Stunde für die Tram beiseitegehoben werden. Ob eine vergleichbare Regelung für Flensburg vorgesehen ist, ist derzeit noch unklar.

Die nun umgesetzte Lösung ist nach Angaben der TAFF in enger Abstimmung mit Feuerwehr, Polizei, Ordnungsverwaltung und den Veranstaltern bereits frühzeitig in das finale Sicherheitskonzept eingeflossen. Sie soll verhindern, dass unbefugte Fahrzeuge in die Haupteinkaufsstraße oder direkt auf den Weihnachtsmarkt gelangen, gleichzeitig aber Rettungswege und Lieferverkehr zu den zulässigen Zeiten ohne Einschränkungen erhalten bleiben.
Bei der Sicherheit für die Besucher des Weihnachtsmarktes sollte Geld immer nur eine untergeordnete Rolle spielen – darin sind sich alle einig.