ver.di Nord: Klinikbetreiber Fresenius verweigert Tarifvertrag und droht mit psychischer Gewalt

 |  von Thomsen / Foerde.news

Schleswig

Schleswig – Schleswig[nbsp] - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) zeigt sich entsetzt über das Verhalten des Klinikbetreibers Fresenius in Schleswig-Holstein.

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Der Klinikbetreiber verweigert den Beschäftigten der Fresenius Health Services Deutschland-Betriebstechnik Nord GmbH (Fresenius), die mit ihren Serviceleistungen die technische Infrastruktur der Krankenhäuser sicherstellen, seit Jahren die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Dazu gehören unter anderem die Medizintechnik und die Betriebstechnik.

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„Wir fordern für die Beschäftigten einen ordentlichen Tarifvertrag, damit Arbeitsverhältnisse gesichert und vor allem auch einheitlich bewertet werden können. Derzeit sprechen wir über mindestens vier verschiedene Entgeltsysteme – ohne eigenen Tarifvertrag. Teilweise werden für gleiche Tätigkeiten deutlich unterschiedliche Entgelte gezahlt. Das Spektrum reicht dabei bis an die Mindestlohngrenze – auch für qualifizierte Tätigkeiten. Das muss sich ändern! Mindestlohnniveau auf Basis von Versichertengeldern zu nutzen, um Gewinne zu erzielen, ist ein Skandal“, so Jochen Penke, Fachbereichsleiter für den Gesundheitsbereich bei ver.di Nord.

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Fresenius hat in der Vergangenheit mit immer neuen Hinhaltetaktiken versucht, die Aufnahme von Tarifverhandlungen zu verzögern.

Anfang dieses Jahres folgte dann die vollständige Verweigerung mit der Erklärung, es bestehe keinerlei Interesse an einem Tarifvertrag.

Die daraufhin durchgeführte gewerkschaftliche Urabstimmung ergab ein klares Votum: 99 Prozent der Belegschaft stimmten für einen unbefristeten Arbeitskampf.

Was nun folgt, erinnert an ein Stück aus der Klamottenkiste des Frühkapitalismus.

„Wir erleben, dass der Arbeitgeber – statt mit Verhandlungen zu beginnen – massiven psychischen Druck ausübt, der von den Beschäftigten als psychische Gewalt empfunden wird. Es wird mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen bei Streikbeteiligung gedroht, und selbst vor Hausbesuchen bei Beschäftigten schreckt man nicht zurück. So etwas habe ich bislang selten erlebt. Solches Verhalten kennt man eher von Elon Musk und den Teslabeschäftigten in Grünheide – aber nicht im Gesundheitswesen, das aus Versichertengeldern und Steuermitteln finanziert wird“, empört sich Penke.

ver.di Nord stellt klar, dass hier eine Grenze überschritten wurde, die weder juristisch noch menschlich toleriert werden kann. Grundrechtsverletzungen haben Konsequenzen. Die Gewerkschaft fordert Fresenius auf, dieses Verhalten sofort einzustellen und jegliche Form psychischer Gewalt und Einschüchterung zu unterlassen.

Aktuell werden die Standorte Damp, Schönhagen, Schleswig, Schwerin und Leezen bestreikt.